Kommt Helge?

 

 

„Wir wählen doch nicht den Präsidenten von Schwarzenbek“, meinte einer der Zuschauer gestern im gefüllten Foyer des gymnasialen Neubaus anlässlich der Vorstellung der beiden Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2008. Der amtierende Bürgermeister Frank Ruppert pflichtete dem bei: „Wenn es darum geht, wer der Koch und wer der Kellner ist, nun, dann bin ich der Kellner“.

 

Frank Ruppert

Als solches servierte er dem Publikum zunächst ein sechsminütiges Werbefilmchen, bei dem es nicht nur den Gegenkandidaten von der Bühne trieb. Ungewohnt lustlos hatte der Bürgermeister dem Film dann auch kaum etwas hinzuzufügen, so dass seine Vorstellung eher unterdurchschnittlich blieb.

 

Ganz anders Helge von Appen, der – sicher auch von einem Merkel-Effekt („besser als erwartet“) unterstützt – eine wohlgesetzte Rede über 15 Minuten hielt, die insbesondere um sein Kernthema eines l(i)ebenswerten Schwarzenbek unter Beteiligung und Mitnahme aller Bürger/innen kreiste. Nicht nur der Applaus ließ ahnen, die erste Runde ging an von Appen.

  

Helge von Appen

Die folgenden Fragen aus dem Publikum richteten sich jedoch nicht nur vornehmlich an den Amtsinhaber, sondern zielten auch hauptsächlich auf Wirtschaft, Haushalt und Verwaltung ab und da kam Helge nicht.

  

Da war Frank Ruppert in seinem Element, brillierte wie gewohnt, umging etwaige Klippen rhetorisch geschickt  und blieb immer charmant und auch fair gegenüber seinem Kontrahenten. Der erschöpfte sich nicht nur sehr schnell in der wiederholten Äußerung, noch keinen Einblick zu haben, sondern blieb auch die Visionen schuldig, ob das nun um die (Innen-)Stadtentwicklung, Jugend oder Sicherheit ging. Tapfer wiederholte er, zu gegebener Zeit an runden Tischen für Konzepte sorgen zu wollen, aber überzeugen konnte er das Publikum damit eher nicht.

 

 Das war offensichtlich zu wenig und von Appen fühlte sich auch sichtlich unwohl. Die Diskrepanz zu seiner Rede war zu deutlich, Rupperts Routine und Souveränität in diesem Abschnitt so überlegen, dass man nicht anders als von einem klaren Punktsieg für den Amtsinhaber reden kann.

  

Dabei wäre meiner Meinung nach mit Bürgernähe durchaus Staat zu machen. Nicht nur mir ging es nicht nur gestern Abend so, dass ich zwischen Verwaltung und Politik kaum mehr unterscheiden kann:

  

Wenn auch Frank Ruppert das Farbzusammenspiel als Zufall bezeichnete, auf seine Parteilosigkeit hinwies und mit dem Koch-und-Kellner-Bild die Verhältnisse klarzustellen gedachte, so blieb es dem Stadtverordneten Schirrmacher von den BfB vorbehalten, Herrn Ruppert daran zu erinnern, dass an seinen und Schwarzenbeks Erfolgen wohl auch die Politiker Anteil hätten.

 

 Ich sage, wir wählen zwar keinen Präsidenten, aber denjenigen, der hauptsächlich ansagt, was gekocht wird und uns dann das Gericht und die Rechnung serviert. Beide Seiten können zufrieden sein: Der Kellner hat nur die Bestellung aufgenommen, der Koch hat es zusammengerührt und die Rezepte sind ohnehin immer dieselben. Wichtig ist nur: Man hat ein Gutachten. Oder zwei.

 

 Vermutlich finden wir keinen besseren Kellner, doch entgegen dem Sprichwort bin ich überzeugt, dass wir dringend mehr Köche benötigen. Der Ansatz von Appens ist richtig. Auch Ruppert räumte ein, dass mehr Transparenz möglich und nötig sei. Wenn wir also schon keine nennenswerte Bürgerbeteiligung und auch keine starke Opposition in Schwarzenbek haben können, dann sollten wir wenigstens dafür sorgen, dass möglichst viele Parteien an der politischen Willensbildung mitwirken!

 

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