Öffentliche Bekanntmachung

Im jüngsten Wochenblatt lese ich einen Artikel über das neue Gymnasium und frage mich, ob ich hier eine Zeitung oder das Mitteilungsblatt der Stadt lese.

Amtliches Mitteilungsblatt?

Da steht etwas von “rund 850 Schülerinnen und Schülern”, die “von ihrem neuen Schulgebäude … überwiegend begeistert” sind. Die Rede ist von der “Projektgesellschaft Müller-Altvatter”, von den 2,2 Millionen € Jahresmiete, mit denen die Stadt “in den Kosten immer noch niedriger (liegt), als wenn sie selbst gebaut hätte”.
Geradezu natürlich “schlagen selbst die 600.000 Euro Mehrkosten nicht so sehr zu Buche.”
Dass die öffentlich-private Partnerschaft grundsätzlich als “Erfolg” anzusehen ist, dafür wird dann als Beispiel das Niedersachenstadion angeführt, welches “sich bei der Fußball-WM 2006 schon bestens bewährt” hätte. “Guten Mutes”, so setzt der Artikel fort, sei man daher auch in Schwarzenbek, immerhin sei die Schule mit 14.000 m² Nutzfläche um 5.200 m² größer, als in der Schulbaurichtlinie vorgesehen. Das ergäbe “reichlich Platz – zum Beispiel für die sieben Parallelklassen”, mit denen man im nächsten Schuljahr starten werde.
Begeistert wird sich “für die mobilen Laptopstationen in den klimatisierten Informatikräumen, für interaktive Tafeln … oder für den großzügigen Lesegarten der Schulbücherei” und süffisant wird hinzugesetzt, dass “nur Masochisten … das Quietschen der Kreide vermissen” werden.

Was ist davon zu halten? Ich stolpere über Folgendes:

  • An der Schule sind mittlerweile über 900 Schüler
  • Die Projektgesellschaft heißt spätestens seit Grundsteinlegung „BAM“
  • Dass die Kosten niedriger liegen, kann man glauben oder auch nicht
  • Warum waren die 600.000 Euro Mehrkosten trotz vieler Hunderttausend Euro für Gutachten und Rechtsberatung überhaupt strittig?
  • Wird jedes Projekt, so unsinnig es auch sein mag, alleine dadurch zum Erfolg, wenn es durch ÖPP wenigstens etwas weniger kostet?
  • Die 5.200 m² Nutzfläche über die Schulbaurichtlinie hinaus werden zu 100 % von der Stadt Schwarzenbek finanziert, hierfür gibt es konsequenterweise keinen Zuschuss.
  • Die kolportierten 169 Neuanmeldungen für das nächste Schuljahr bedingten 6 Parallelklassen, nicht 7
  • Informatikräume sind nicht nur wegen der Klimatisierung die teuersten und zwangsläufig auch am höchsten bezuschussten Räume. Allerdings sieht die Richtlinie nur 1 Raum vor und angesichts der am Gymnasium eingerichteten 8 Unterrichtsstunden Informatik sollte das auch ausreichen.
  • Gebaut wurde das Gymnasium hauptsächlich, weil angeblich im übernächsten Schuljahr 15 Klassenräume im alten Gymnasium gefehlt hätten. Allerdings hatten nach eben diesem Gutachten auch schon im Jahr 2003 ganze 12 Räume gefehlt.
  • Die Laptopstationen sind Legende, sie sind schlicht nicht vorhanden.
  • Von den interaktiven Tafeln gibt es 2 und die befinden sich in den Lernateliers, die ansonsten Allem entbehren, was Lernateliers ausmacht einschließlich einer Nutzungsidee.
  • Der großzügige Lesegarten der Bücherei wurde ursprünglich als nicht begehbarer Innenhof geplant und so ist er auch. Eine Sitzbank hat sich die resolute Büchereileiterin zwar aus dem mehr als doppelt so großen Lesehof der Lehrer besorgt, einen Schlüssel für die Tür hat sie aber nicht.
  • Das Quietschen der Kreide vermissen so einige Lehrkräfte, nur wurden sie bei der Planung leider nicht gefragt. Bis auf die Naturwissenschaftler. Die sind auch Masochisten. Die haben noch Kreidetafeln.

Was bleibt? Die Anzeigen im Wochenblatt haben wohl mehr Aussagekraft, als die Artikel. Ich sage ja gar nicht, dass man das alles wissen muss und es ist sicher auch nicht möglich, weil nicht bezahlbar, das alles selbst zu recherchieren. Dann sollte man aber nicht so tun, als wären das eigene Erkenntnisse, sondern deutlich machen, dass man nur wiedergibt, was andere behaupten.

Was noch?

“Das alte Gymnasiumsgebäude an der Berliner Straße soll jetzt zur Gemeinschaftsschule umgebaut werden – für rund 9 Millionen Euro.”

Geld ist offenbar das geringste Problem in Schwarzenbek.

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