Der arme Mann

oder: Schwarzenbek – Stadt ohne Mittel

In Schwarzenbek entschied ein Mann,
dass er ein Brot gebrauchen kann,
um seine Kinder zu ernähren.
Er hatte leider wenig Geld,
doch wozu gibt es auf der Welt
Berater, ein Problem zu klären?

Und die erkannten messerscharf
den deutlich größeren Bedarf,
weshalb sie diesem Mann empfahlen:
Du baust jetzt eine Bäckerei!
Dem Mann wurd’ schwindelig dabei,
wie sollte er denn das bezahlen?

„Das zahlst nicht du, das zahlt die Bank.
Du bist dann zwar auf ewig blank,
doch kannst ja kleine Brötchen backen.
Auch wenn nicht jeder Depp sogleich
versteht warum, bist du nun reich.
Es gilt allein, es anzupacken!“

Denn hinterher, das ist doch klar,
ist nichts mehr, wie es vorher war,
das ist doch einfach zu kapieren.
Gesagt, getan, es stand sehr bald
ein neues Haus am Sachsenwald.
Man wollte keine Zeit verlieren.

Den armen Mann nicht noch der Qual
aussetzen, in erneuter Wahl,
über die Pläne zu entscheiden.
Die sind geheim, das ist doch klar,
denn ständig wächst so ein Etat
und das mag schließlich keiner leiden.

Der Bäcker sagte: „Schnapsidee!“,
dem Architekten tat es weh,
er schluckte dennoch jede Kröte.
Der Baugrund war schlecht ausgewählt,
der Friedhof nebenan erzählt
genügend über all die Nöte

mit denen dieses Haus entstand.
Doch wie durch Zauberhand verschwand,
als man es seinem Zwecke weihte,
der Hohn und Groll, der Zank und Spott,
weil jedes Würstchen sich nun flott
unter die großen Würste reihte.

Am Jubeltag stand man Spalier
und es gab lauter Freunde hier,
so dankbar ist man sich gewesen.
All jene, die für teures Geld
und was auf Erden sonst noch zählt,
an dem Gebäude ihre Spesen

und Sporen haben sich verdient,
die haben jetzt ganz breit gegrient
und sich auf ihre Brust geschlagen:
„Wie klug war dieses ausgedacht!
Was haben wir das gut gemacht!“,
so hörte man sie sagen.

Der arme Mann? Nicht opportun!
Was hat denn der damit zu tun?
Wir haben alles hier gegeben.
Er darf ab morgen wieder ran,
dann ist die erste Rate dran,
soll er halt Brot in Zahlung geben.

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